Beobachtungen
Kirchengemeindliches Leben - vielfach "fremde Welt" für junge Menschen
Junge Menschen erleben kirchengemeindliches Leben heute oft nur noch als "fremde Welt", die mit ihrer Lebenskultur nur wenig zu tun hat. Bisherige Versuche, Jugendliche in die Kirchengemeinden zu integrieren, indem beispielsweise gelegentlich Jugendgottesdienste angeboten werden oder der Gottesdienst mit "neuen" Liedern angereichert wird, haben sich vielfach als unzureichend erwiesen. Selbst wenn Jugendliche in die kirchliche Jugendarbeit hineingefunden haben, konnten sie nur in seltenen Fällen in das kirchengemeindliche Leben eingebunden werden.
Junge Menschen: offen für gelebte Spiritualität und Glaubensfragen
Und dennoch: junge Menschen sind ungeachtet dessen offen für gelebte Spiritualität und Glaubensfragen. Sie finden sich nur in den bestehenden Angeboten oft nicht angesprochen.
Gottesdienste für, von und mit jungen Menschen hingegen, die an deren Bedürfnissen ansetzen, boomen.
* Hier dürfen sie die sein, die sie sind. Mit ihren Fragen. Ihren Themen. Ihrem Lebensstil.
Ihr Alltag, ihre Lebenskultur "müssen nicht draußen bleiben".
* Hier spricht man ihre Sprache. Singt ihre Lieder. Hört ihre Musik.
* Hier dürfen sie sich einbringen, sich ausprobieren, mitgestalten.
* Hier sind Menschen, an denen sie sich orientieren können. Menschen, die hilfreiche Impulse geben. Menschen, mit denen sie gemeinsam unterwegs sind.
* Hier wird Glaube gefeiert, geteilt, gelebt.
neue Bewegung: Entstehung von Jugendkirchen
In den USA, in England, aber auch im freikirchlichen und katholischen Umfeld hier in Deutschland sind in den letzten Jahren neue Modelle von Jugendkirchen entstanden, in denen junge Menschen ihren Glauben mit ihrem Lebensstil und ihrer Kultur verbinden können.
Diese Jugendkirchen richten sich nicht an mehrere Generationen, sondern speziell an junge Menschen. Konstitutiv ist dabei, dass die jungen Menschen selbst aktiv an der Gestaltung beteiligt sind. Gemeinsam mit den ständigen Mitarbeitenden der Jugendkirche gestalten sie ein "geistliches Zentrum im Kontext gegenwärtiger Jugendkulturen" (Prof. Ulrich Schwab), in dem sich Glaube ereignet und in jugendgemäßer Form äußern kann.
Dabei treten Jugendkirchen und -gemeinden nicht in Konkurrenz zu den Ortskirchengemeinden, sondern machen ein parochieübergreifendes Angebot, das die herkömmliche Ortsgemeinde auch strukturell nicht leisten kann. Sie sind eine Ausprägung der bestehenden Kirche; sie sind strukturell, personell und geistlich eng mit der Gesamtheit der "Mutterkirche" verbunden.
auch bei uns: Trend zu Jugendgemeinden
Der Trend zu eigenen, lebensweltorientierten Jugendgemeinden ist unumkehrbar, wenn wir auch in Zukunft junge Menschen in der Kirche beheimaten wollen. Wenn es nicht gelingt, im landeskirchlichen Bereich ganz eigene Gestaltungsräume für junge Menschen anzubieten, ist damit zu rechnen, dass junge Menschen der Landeskirche auf Dauer verloren gehen, indem sie sich resigniert abwenden. Ober aber sie finden ihren Platz bei Gemeinschaften außerhalb der Landeskirche, in denen sie sich mit ihren Anliegen besser aufgehoben fühlen als in ihren Ortskirchengemeinden bzw. in der Landeskirche.
Projektziele
- In einem Projektzeitraum von drei Jahren werden an vier verschiedenen Orten in Württemberg Projekte für Jugendkirchen/Jugendgemeinden (wie oben unter "Beobachtungen" beschrieben)innerhalb der Landeskirche entwickelt und erprobt, die sich nicht an Parochiegrenzen sondern an den Lebenswelten Jugendlicher orientieren.
- Nach einer gründlichen Auswertung der Projekte können die dabei entwickelten Modelle wegweisend sein für die Jugendarbeit und für neue Formen der Beheimatung junger Menschen in der Kirche.
- Zudem sollen Möglichkeiten der Verankerung dieser neuen Formen in landeskirchlichen Strukturen gesucht, erprobt und verfolgt werden.
Projektzeitraum
1. Juli 2003 bis 30. Juni 2006
Projektleitung
Die Projektleitung (50%-Stelle innerhalb des ejw) liegt bei Anne Winter.
Mit einem Dienstauftrag von weiteren 50% arbeitet sie im ejw im Arbeitsbereich "Junge Erwachsene".
Aufgabe der Projektleitung ist die Leitung und Koordination des Gesamtprojektes in enger Zusammenarbeit mit den Projektleitenden der vier Modellprojekte.
Ein Team mit Verantwortlichen der vier Modellprojekte trifft sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch, um Absprachen zu treffen und Ergebnisse zu sichern.
Zudem wird das Projekt von einem Projektbeirat begleitet.
Projektbeirat
Zur fachlichen Begleitung gibt es den Projektbeirat der sich zusammensetzt aus:
- Vertreter/innen der verschiedenen Gesprächskreise der Landessynode
- Vertreter/innen des Oberkirchenrats
- Landesjugendpfarrer
- Leiter des ejw
- Professor Ulrich Schwab (wissenschaftliche Begleitung)
- Projektleitende der vier Modellprojekte
- Projektleiterin des Gesamtprojektes
- Vertreter aus dem Bereich "Mukubi" im Landesjugendpfarramt
- Vertreterin des BDKJ
wissenschaftliche Begleitung
Prof. Dr. Ulrich Schwab von der Ludwig-Maximilians-Universität München konnte für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts gewonnen werden.
Prof. Schwab hat einen Lehrauftrag in der praktischen Theologie mit der Forschungsstelle Jugend und Kirche. Er ist ausgewiesener Fachmann in Fragen von Jugendkultur und Jugendarbeit.
Bei der Jugendsynode im Jahr 1999 und beim Frühjahrskonvent der JugendreferentInnen im ejw (2000) hielt er richtungsweisende Referate hin in Richtung Jugendkirche...
Berichte / Downloads
Projektbeschreibung Gesamtprojekt
Zwischenbericht Juli 2004
Zwischenbericht Dezember 2004
Zwischenbericht Dezember 2004-Anlage
Flyer Gesamtprojekt Jugendkirche/Jugendgemeinde
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